Tag der Ideen rückte das Thema gesellschaftliche Verantwortung in den Mittelpunkt
Jutta Martini GELNHAAR. Engagement in Oberhessen kontra Schutz des Regenwaldes, Arbeits- und Ausbildungsplätze in der Region gegen Strom aus Wasserkraft aus dem Ausland: Kontrovers und vielschichtig war die Diskussion zwischen Andreas Matlé, Pressesprecher der Ovag, und dem Frankfurter Niederlassungsleiter des Ökostromanbieters Lichtblick, Bert Zimmer. Zahlreiche Interessierte verfolgten die Stellungnahmen der Unternehmensvertreter und nutzten die Gelegenheit, kritische Fragen zu stellen. Die Diskussion um die Energie der Zukunft war einer der spannenden Höhepunkte des "Tages der Ideen" auf dem Rauhen Berg bei Gelnhaar, bei dem sich regionale und überregionale Organisationen und Unternehmen rund um Umweltschutz, eine gerechtere Verteilung der Güter dieser Welt und soziales Engagement präsentierten.
Wie investiert man sein Geld ethisch korrekt, das heißt nicht in Rüstungsgüter oder Atomkraftwerke? Welche Chancen und Risiken hat die Gentechnik in Ernährung und Landwirtschaft? Ist das bedingungslose Grundeinkommen eine Perspektive für die Zukunft? Wie lässt sich in Wohnhäusern Energie einsparen? Die Auswahl an Vorträgen, die während des ganzen Tages zeitgleich in Vortragszelt und Festsaal parallel angeboten wurden, zeigt das breite Spektrum an Themen - ideelle und ganz praktische -, die beim "Tag der Ideen" angesprochen wurden.
Daneben präsentierten sich auch Gruppen mit ganz konkreten Maßnahmen für soziales und ökologisches Engagement. Beispielsweise das Peru-Projekt des Wolfgang-Ernst-Gymnasiums, mit dem seit 1990 Büdinger Schüler benachteiligte Familien in Pucallpa unterstützen. Oder die Gesamtschule Konradsdorf, die mit ihrem Energiesparwettbewerb zeigt, wie Umweltschutz in der Schule aussehen kann, ohne große Kosten und viel Aufwand zu verursachen.
Organisator Dan-Felix Müller wollte mit dem Tag der Ideen vor allem junge Menschen erreichen. Eines der Hauptthemen war daher die Möglichkeit für soziales Engagement für Jugendliche im Ausland, das von verschiedenen Organisationen wie der Weltweiten Initiative für Soziales Engagement oder Youth Action for Peace Deutschland/Christlicher Friedensdienst vorgestellt wurde. Das war auch der Grund für Ella Kimmeg, mit Vater Georg eigens für den "Tag der Ideen" aus Ravensburg am Bodensee anzureisen. Nach dem Abitur im Sommer möchte die junge Frau ein soziales Jahr im Ausland absolvieren. "Wir haben das Programm im Internet gesehen und die bunte Vielfalt von Organisationen und Beweggründen, von Mikrokrediten bis Freiwilligenarbeit und Ökostrom hat uns überzeugt", erklärte Georg Kimmeg den Samstagsausflug in den Vogelsberg.
Mehr solcher Besucher hätte sich der Organisator sicher gewünscht. Der Andrang bei den Vorträgen und an den Ständen blieb übersichtlich. Wesentlich weniger Besucher als gehofft bevölkerten das großflächige Gelände. Vielleicht war die Konkurrenz an Veranstaltungen wie das Altstadtfest in Büdingen zu groß. An den Ständen herrschte kaum Andrang, und dennoch waren nicht nur diejenigen Besucher, die den für Auswärtige nicht einfachen Weg zum Rauhen Berg gefunden hatten, angetan von der Veranstaltung. Auch die Aussteller äußerten sich zufrieden. So wie Michael Herborn aus Düdelsheim, der Wärmepumpen installiert. "Obwohl insgesamt wenig los ist, ist unser Stand gut besucht", berichtete der Ingenieur. Auch Carmen Zamora vom forum anders reisen, einem Dachverband für sozial verträgliche und ökologische Reisen, sprach von interessierten Besuchern. Nicht nur die Prospekte eingepackt hatte Mareike Nickel. Die Frankfurterin nutzte den Tag der Ideen auch, um für ihre Magisterarbeit in Kulturanthropologie zu recherchieren. "Ich interessiere mich besonders für Nachhaltigkeit beim Reisen", freute sich die Studentin, in Zamora eine kompetente Gesprächspartnerin gefunden zu haben.
Angetan vom "Tag der Ideen" war auch der Vorsitzende des Kirchenvorstandes der evangelische Kirchengemeinde Büdingen, Joachim Brinkhaus. Die Kirchengemeinde hatte die Veranstaltung unterstützt. "Es wird gar nicht mehr gesehen, was wir mit unserem Konsumverhalten anrichten. Die Armen der Welt sind weitgehend aus dem Blickwinkel verdrängt." Brinkhaus ergänzt: "Es ist sehr gut, dass es in der Region die Möglichkeit für Informationen gibt, die das Thema Entwicklung und gesellschaftliche Verantwortung bewusst machen."
Kreis-Anzeiger Büdingen, 20.05.2008
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